
Der Kommentar
Die beiden Dossiers verbindet mehr als der Nachname. In den wiedergegebenen Berichten führen beide Geldspuren in Trumps engstes Umfeld. Dieser Kommentar fragt, warum die öffentliche Rechenschaft offenbar hinter der persönlichen Verärgerung des Präsidenten zurückbleibt.
Wann wurde der Vertrag unterzeichnet?
Aus den Berichten der New York Times vom 20. Oktober und von Reuters vom 31. Oktober ergibt sich folgende Chronologie: Herrera Velutinis Tochter Isabela Herrera gründete im Oktober 2025 in Florida die Gesellschaft Concord Partners. Welche Geschäfte sie betreibt, bleibt in den wiedergegebenen Berichten unklar. Wenige Tage nach der Eintragung unterzeichnete Habba einen Vertrag als General Counsel: zehn Millionen Dollar jährlich für vier Jahre, zuzüglich Prämien. Die Reuters zugeschriebene Gesamtsumme liegt über 50 Millionen Dollar.
Nach derselben Chronologie war Habba damals kommissarische US-Bundesstaatsanwältin für New Jersey. Am 1. Dezember 2025 erklärte ein Bundesberufungsgericht ihre Ernennung für rechtswidrig. Sie trat am 8. Dezember zurück und wurde noch am selben Tag leitende Beraterin von Justizministerin Pam Bondi. Als sie am 1. Januar 2026 ihre Tätigkeit bei Concord aufnahm, gehörte sie weiterhin dem Justizministerium an. Fünfzehn Tage später, am 15. Januar, gewährte Trump Herrera Velutini eine vollständige und bedingungslose Begnadigung.
Herrera Velutini war beschuldigt worden, den Wahlkampf der Gouverneurin von Puerto Rico, Wanda Vázquez, finanziert zu haben, damit ein mit seiner Bank befasster Aufseher abgesetzt werde. Nach den zitierten Berichten mündete das Verfahren wegen Bestechungs- und Betrugsvorwürfen im August 2025 in eine Vereinbarung, bei der er einen einzelnen, als Misdemeanor eingestuften Verstoß gegen Wahlkampffinanzierungsregeln einräumte. Einen Monat später sagte seine Tochter 2,5 Millionen Dollar für den Ballsaal des Weißen Hauses zu. Zuvor hatte sie dem Super-PAC MAGA Inc. insgesamt 3,5 Millionen Dollar gespendet.
Den Berichten zufolge reichte das Campaign Legal Center im Februar eine Beschwerde bei der Federal Election Commission ein. Darin wurde vermutet, die Spenden könnten dazu gedient haben, Geld des Vaters über die Tochter weiterzuleiten. Das ist ein Vorwurf, keine erwiesene Feststellung.
Wogegen richtet sich Trumps Einwand?
Die Darstellung wirft eine Frage staatlicher Integrität auf: Welchen Regeln und Kontrollen unterliegt es, wenn eine Juristin des Justizministeriums von einer Gesellschaft der Familie eines auf Begnadigung wartenden Angeklagten jährlich zehn Millionen Dollar erhält?
Habbas wiedergegebene Antwort ist eindeutig. Sie erklärt, sie habe die Nebentätigkeit beim Justizministerium offengelegt und eine Genehmigung erhalten. Mit der Begnadigung habe sie nichts zu tun gehabt. Gegenteilige Andeutungen bezeichnet sie als falsch und verleumderisch. Den wiedergegebenen Stellungnahmen zufolge erklärte auch das Weiße Haus zunächst, Habba sei an der Begnadigung nicht beteiligt gewesen.
Am 29. Oktober folgte ein zweiter Bericht der New York Times. Trump sei über die Höhe des Vertrags verärgert gewesen und habe Beratern und Vertrauten gesagt, Habba solle einen Teil des Geldes seiner Präsidentenbibliothek oder einer anderen ihm verbundenen Organisation spenden. Mindestens einem Verbündeten habe er erklärt, die Familie Herrera solle den restlichen Vertragsbetrag nicht zahlen; die Familie habe davon erfahren. Berichtet wird auch von einem persönlichen Anruf bei Habba. Ob er dabei eine Spende ansprach, bleibt unklar.
Nach dem Reuters-Bericht vom 31. Oktober fragten Journalisten Trump in Mar-a-Lago nach dem Vorgang. Er bezeichnete die Vereinbarung als widerlich, skandalös und inakzeptabel. Zudem erklärte er, Habba gesagt zu haben, er wolle nicht, dass sie die Zahlung erhalte, und nannte die Situation schrecklich.
Entscheidend ist, welche Fragen diese Äußerungen offenlassen. Die wiedergegebenen Aussagen erklären nicht, welche institutionellen Regeln für das entgeltliche Verhältnis der Ministeriumsberaterin zu einer um Begnadigung ersuchenden Familie galten. Den Berichten zufolge bleibt die Begnadigung wirksam. Von einer angeforderten förmlichen Untersuchung des Justizministeriums ist nicht die Rede; das Ministerium habe die Frage von Reuters nicht beantwortet.
Die Bewertung dieses Kommentars lautet: Der berichtete Einwand konzentriert sich auf Höhe und Ziel der Vergütung. Als Lösung wird offenbar erwogen, einen Teil an Trumps Bibliothek weiterzuleiten. Das birgt die Gefahr, den Geldflüssen rund um eine Begnadigung nur eine weitere Station hinzuzufügen, statt die Beziehungen wirksam zu prüfen.
Wie steht es um das Kongo-Dossier?
Anfang Oktober stand dasselbe Paar im Zentrum von Berichten über einen anderen Geldfluss. Die New York Times berichtete: Habba habe Trump im Oval Office gesagt, ein Teil der 17,6 Millionen Dollar, die ihr Mann im Mai 2025 an das texanische Rüstungsunternehmen TX-AT überwiesen habe, sei als Spende für das Kennedy Center vorgesehen gewesen, dort aber nicht angekommen. Sie machte Richard Grenell verantwortlich. Grenell wies den Vorwurf zurück.
Nach derselben Darstellung beauftragte Trump den Rechtsberater des Weißen Hauses, Will Scharf, mit einer Prüfung. Unter Berufung auf einen Bericht der New York Times vom 17. Oktober heißt es, das Geld stamme von einem Konto mit Verbindung zur Regierung der Demokratischen Republik Kongo. Mildon habe bestätigt, Präsident Tshisekedi zu beraten und einen kongolesischen Diplomatenpass zu besitzen.
Die hier zitierten Berichte belegen zum 1. November kein öffentlich bekanntgegebenes Ergebnis dieser Prüfung. Offen bleiben die Vertragsgrundlage der 17,6 Millionen Dollar, die Identität des Kontoinhabers und die Frage, was TX-AT dafür verkauft hat.
Warum ist das wichtig?
Um ein Paar werden zwei getrennte Geldspuren beschrieben. Die eine betrifft 17,6 Millionen Dollar von einem angeblich mit der kongolesischen Regierung verbundenen Konto an ein amerikanisches Rüstungsunternehmen. Die andere betrifft einen Vertrag über mehr als 50 Millionen Dollar zwischen einer Familiengesellschaft eines begnadigten venezolanischen Bankiers und einer Beraterin des Justizministeriums. Der Gesamtwert eines Vertrags bedeutet nicht, dass die gesamte Summe bereits gezahlt wurde.
Die vollständigen Unterlagen zu beiden Dossiers liegen in dem Material, auf das sich dieser Kommentar stützt, nicht vor. Die sichtbarste Reaktion in den wiedergegebenen Berichten ist Trumps persönliche Wut. Öffentliche Kontrolle darf dort nicht enden.
Die wiedergegebenen Berichte belegen weder eine Anklage gegen Habba noch eine Sanktionsentscheidung gegen Mildon; Herrera Velutinis Begnadigung wird als weiterhin wirksam beschrieben. Diese Aussagen sind keine Ergebnisse einer für diese Veröffentlichung unabhängig durchgeführten Recherche in Justizregistern. Rechenschaft ist aber nicht allein Sache der Staatsanwaltschaften.
Hat das Justizministerium die Nebentätigkeit seiner Beraterin genehmigt, sollte es die Genehmigung offenlegen. Das Weiße Haus sollte den Stand von Scharfs Prüfung erklären. Und wenn Trump einen Vertrag als inakzeptabel bezeichnet, sollte er klarstellen, dass eine Spende an seine eigene Bibliothek keine Lösung ist.
Den Vorgang in der Türkei als Bestrafung der Ehefrau eines türkischen Geschäftsmanns zu lesen, wäre irreführend. Die beschriebenen Entwicklungen zeigen keine Strafentscheidung. Es geht um weiterhin ungeklärte Washingtoner Geldströme im Umfeld der Familie Mildon, die als dritte Generation eines aus Gallipoli stammenden Familienunternehmens beschrieben wird.
Diese Fragen bleiben für Concord Partners, Habbas Büro, das US-Justizministerium und das Büro des Rechtsberaters des Weißen Hauses offen. Geht eine Stellungnahme der Beteiligten ein, wird sie auf dieser Seite ergänzt.
Quelldokumente
03- The New York Times · 17., 20. und 29. Oktober 2026 · im Text zitiertKein öffentlicher Link angegeben
- Reuters · 31. Oktober 2026 · im Text zitiertKein öffentlicher Link angegeben
- Campaign Legal Center · FEC-Beschwerde · im Text zitiertKein öffentlicher Link angegeben
Dossier-Aktualisierungen
Bericht veröffentlicht
Redaktioneller Hinweis
Dieser Kommentar bewertet Behauptungen, die der New York Times und Reuters zugeschrieben werden. Die zitierten Quellen und Behauptungen wurden von The Ledgers für diese Veröffentlichung nicht unabhängig überprüft.
Antwort oder Korrektur einreichen ↗︎Leserkommentare
Verifizierte Mitglieder können kommentieren. Kommentare werden redaktionell freigegeben. Diskutieren Sie die Belege und vermeiden Sie persönliche Daten.
Noch keine veröffentlichten Kommentare.
Anmelden / Konto erstellen →Bleiben Sie an der Recherche dran.
Folgen Sie The Ledgers für neue Recherchen, Entwicklungen in unseren Dossiers und Videos.
Wählen Sie The Ledgers in den Google-Quelleneinstellungen. Die Verfügbarkeit bestimmt Google.
