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Video öffnen ↗Vorschau zur Recherche von The Ledgers. Das Video ist auf Englisch.
Die Formulierung „autorisierter Afrika-Berater“ im Video gibt eine Behauptung wieder, die im ersten Teil einer Korrespondenz zugeschrieben wird. The Ledgers hat Hudanis Befugnis, für SICPA zu handeln, nicht unabhängig bestätigt. Die erwähnte Strafanzeige wird vorbereitet; daraus folgt nicht, dass ein Ermittlungsverfahren eröffnet wurde.
Die Dokumentation
Die beiden Partner hinter der Tür
Der erste Teil des Afrika-Dossiers von The Ledgers behandelte einen auf den 1. Dezember 2019 datierten Beratungsvertrag, den laut den übermittelten Unterlagen ein Kommunikationsunternehmen im Istanbuler Stadtteil Levent unterzeichnet hatte. Dem Dossier zufolge sollte die auf den Britischen Jungferninseln (BVI) registrierte Veritas Communications Ltd. Beziehungen zu staatlichen Kunden in Uganda, Kenia, Somalia und Tansania aufbauen. Dafür wurden mit zwei Rechnungen insgesamt 820.000 Dollar verlangt. [1]
Eine Klausel sah demnach eine Verlängerung der Exklusivität des Vermittlers vor, wenn dieser ein persönliches Treffen auf der Ebene eines Präsidenten oder eines ranghohen Ministers arrangierte. Im ersten Artikel blieb offen: Wem gehörte Veritas? Das neue Material enthält hierzu eine Eigentumserklärung. Diese ist jedoch nicht mit einem unabhängig bestätigten, aktuellen Gesellschafterregister gleichzusetzen. [1]
Ein Postfach auf Tortola
Die Gründungsurkunde im Dossier gibt an, dass Veritas Communications Ltd. am 31. Mai 2005 auf den BVI unter der Registernummer 659167 als International Business Company gegründet wurde. Das 31-seitige Gründungsdokument nennt für den eingetragenen Sitz und den registrierten Vertreter dieselbe Anschrift: Craigmuir Chambers, P.O. Box 71, Road Town, Tortola. [1]
Dieser Eintrag belegt keine eigenständige Betriebsstätte von Veritas. Craigmuir Chambers erscheint auch in der veröffentlichten Anschrift von Harney Westwood & Riegels (Harneys); P.O. Box 71 ist ein Postfach. Laut Dossier übernahm HWR Services Ltd. die Gründung, deren Unterlagen eine bevollmächtigte Person für den Vertreter unterzeichnete. Die vorgelegten Gründungsunterlagen nennen keine Gesellschafter. Die Nutzung der Anschrift eines registrierten Vertreters ist für sich genommen kein Beleg für ein Fehlverhalten. [1] [2]
„Wir sind die wirtschaftlich Berechtigten“
Die Eigentumsangaben stehen in einem Bildschirmfoto einer mit „Alykhan“ unterzeichneten E-Mail. Der offenbar als Antwort auf eine Unternehmensprüfung verfasste Text nennt die registrierte Anschrift, die Bank und Geschäftsbeziehungen von Veritas. Als Gesellschafter werden anschließend Alykhan Hudani und Abubaker Mukasa Muyunga mit jeweils 50 Prozent bezeichnet; sie seien die wirtschaftlich Berechtigten. [1]
Am Ende heißt es, das Gründungsdokument und die Gründungsurkunde seien zur Beschleunigung des Vorgangs beigefügt. Beide befinden sich in dem der Redaktion übermittelten Material. Auf dem Bildschirmfoto fehlen allerdings Datum und Absenderadresse. Die Originalkorrespondenz und die aktuellen Eigentumsverhältnisse sind nicht unabhängig bestätigt. [1]
Die E-Mail führt L3Harris Technologies als Geschäftspartner auf. Der Zusammenschluss von Harris und L3 Technologies wurde am 29. Juni 2019 abgeschlossen; der geplante neue Firmenname war jedoch bereits im Oktober 2018 angekündigt worden. Allein daraus lässt sich weder das genaue Datum der E-Mail noch ihr zeitlicher Bezug zum Vertrag vom Dezember 2019 bestimmen. [3] [4]
Als Bank wird CIBC FirstCaribbean International Bank genannt. Nach der übermittelten Darstellung befand sich auch das Veritas-Konto, auf das die beiden Rechnungen von 2019 insgesamt 820.000 Dollar verlangten, bei deren Niederlassung auf Tortola. Der übereinstimmende Bankname belegt keine erfolgte Zahlung. [1]
Zudem behauptet die E-Mail, Veritas besitze eine jährlich erneuerte TRACE-Zertifizierung. TRACE beschreibt diese als Due-Diligence-Prüfung auf Grundlage der vom Unternehmen gelieferten Informationen und Unterlagen, nicht als Garantie gegen vergangenes oder künftiges Fehlverhalten. Im Dossier fehlt eine Zertifikatsnummer von Veritas; der Zertifizierungsstatus wurde für diese Veröffentlichung nicht unabhängig bestätigt. [1] [5]
Wer ist der Partner?
Die Passkopie im übermittelten Dossier bezeichnet Abubaker Mukasa Muyunga als 1968 geborenen ugandischen Staatsbürger und Geschäftsmann. Das Dokument scheint 2014 in Kampala ausgestellt worden und 2024 abgelaufen zu sein. Dies ist eine Beschreibung der vorgelegten Kopie; die Echtheit des Originalpasses wurde nicht unabhängig geprüft. Passnummer, Unterschrift und genaues Geburtsdatum werden hier nicht veröffentlicht. [1]
Muyunga und Veritas erscheinen seit 2007 in öffentlichen Unterlagen und zeitgenössischen Berichten über den Telekomsektor Ugandas und Burundis:
2007, Uganda. Bizcommunity bezeichnete Veritas Communications am 12. April 2007 als lokalen Partner des mit Kapital aus der Golfregion finanzierten Unternehmens Hits Telecom. Als Vorsitzender von Veritas wurde „Abu Mukasa“ genannt. Veritas vertrete mehrere in Uganda tätige Unternehmen, hieß es. [6]
2008, Burundi. Mit einer von Minister Philippe Njoni am 7. Januar 2008 unterzeichneten Verordnung erhielt Hits Telecom Burundi eine Lizenz für 3G GSM und WiMAX. Im Konzessionsvertrag desselben Tages wird „Abubaker Mukasa“ als Unterzeichner für die noch in Gründung befindliche Gesellschaft genannt. Notarielle Unterlagen im burundischen Amtsblatt vom 1. Juli 2008 führen den Ugander Abubaker Mukasa Muyunga als Gesellschafter und Verwaltungsratsmitglied auf. Auf ihn entfielen 10.000 Anteile; International Investment House aus Abu Dhabi hielt 99.970.000. [7] [8]
2008, Uganda. Eine am 20. Oktober 2008 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichte Pressemitteilung von France Telecom kündigte Oranges Eintritt in den ugandischen Markt durch eine Partnerschaft mit Hits Telecom Uganda an. „Veritas communications Limited“ wurde als einer der Anteilseigner von Hits Telecom Uganda genannt. [9]
2012, Burundi. Die Telekomaufsicht ARCT entzog Hits Telecom im September 2012 die Lizenz. PANA berichtete unter Berufung auf den damaligen Behördenleiter, das Unternehmen habe die vor Betriebsbeginn erforderliche Bankgarantie über eine Million Dollar nicht gestellt. Zeitgenössische Berichte aus Burundi besagten, der kommerzielle Betrieb auf Grundlage der 2008 erteilten Lizenz habe nicht begonnen. [10] [11]
2013, Uganda. Techjaja berichtete unter Berufung auf The Investigator, „Abu Mukasa Muyunga“ von Veritas habe die Genehmigung zum Verkauf von 3.670.283 Anteilen an Orange Uganda beantragt. Veritas habe ihre Beteiligung an eine andere Gesellschaft verkaufen dürfen, deren Adresse mit P.O. Box 71 auf Tortola angegeben wurde. Diese Transaktionsdarstellung stützt sich auf den damaligen Pressebericht, nicht auf eine unabhängige Registerbestätigung. [12]
Die Unterlagen sind mit der Aussage in der E-Mail vereinbar, Veritas sei früher an Orange Uganda beteiligt gewesen. Sie zeigen auch Muyungas Rolle bei lokalen Beteiligungs- und Unterschriftsvorgängen ausländischer Telekominvestoren. Diese früheren Tätigkeiten belegen weder die Erfüllung des Beratungsvertrags von 2019 noch eine rechtswidrige Zahlung.
Der „Abu Mukasa“ des Präsidenten
Ein weiterer Text ist für die Klausel zum Zugang auf hoher politischer Ebene von Interesse. Ugandas Präsident Yoweri Museveni verteidigte „Abu Mukasa“ in einem Beitrag vom Oktober 2024, den The Independent am 22. Oktober erneut veröffentlichte. Museveni zufolge war Mukasa nach von ihm angeordneten Festnahmen von Präsidialmitarbeitern in sozialen Medien erwähnt worden. [13]
Museveni beschrieb Mukasa als aktiven Unterstützer der Regierungspartei NRM, Investor und Vermittler ausländischer Investoren. Er schrieb ihm Investitionen in Milliardenhöhe zu und nannte Vitol sowie einen emiratischen Investor namens Scheich Maktum als Beispiele. Außerdem schilderte er eine Begegnung Jahre zuvor in Washington, als Mukasa nach seiner Darstellung für den US-Funkgerätehersteller Harris gearbeitet habe. Es handelt sich um Musevenis eigene Aussagen. [13]
Der Beitrag nennt den Nachnamen Muyunga nicht. The Ledgers konnte nicht unabhängig feststellen, dass Musevenis „Abu Mukasa“ mit dem als Veritas-Gesellschafter angegebenen Abubaker Mukasa Muyunga identisch ist. Dass damalige Presseberichte Muyunga als „Abu Mukasa“ bezeichneten und die E-Mail L3Harris nennt, macht die Verbindung prüfenswert; ein eindeutiger Identitätsnachweis ist dies nicht. [1] [6] [12] [13]
Zeitgenössische Fachberichte beschrieben einen 2015 bekanntgegebenen US-Auftrag im Rahmen ausländischer Militärverkäufe zur Lieferung von Harris-Funkgeräten an afrikanische Länder, darunter Uganda, Kenia und Somalia. Daraus ergibt sich keine Beteiligung von Veritas an diesem Auftrag. [14]
Auch für Alykhan Hudani finden sich öffentliche Bezüge zur Präsidentschaft. Der Bericht des ugandischen Landwirtschaftsministeriums für 2014/15 verzeichnet, dass Museveni im November 2014 die zehn Millionen Dollar teure Yo-Kuku-Anlage in Semuto eröffnete. Der erste Teil des Dossiers behandelte Hudanis Beteiligung an dem Unternehmen. Sierra Leones Hochkommission in Nairobi gab am 2. August 2025 außerdem seine Ernennung zum Honorarkonsul in Uganda bekannt. [15] [16]
Diese Unterlagen liefern einen Kontext für möglichen Zugang zur höchsten staatlichen Ebene. Ein solcher Zugang beweist nicht, dass er für den Vertrag von 2019 genutzt oder einem Amtsträger Geld gezahlt wurde.
Die weiteren Namen in der E-Mail
Die Veritas-E-Mail nennt außerdem Global Voice Group und Enverra Partners als Geschäftskontakte. Der übermittelte Redaktionstext beschreibt Global Voice Group als Anbieter von Telekomverkehrsüberwachung und Einnahmensicherungssystemen in Afrika und hält fest, dass ein ugandischer öffentlicher Auftrag für das Unternehmen nicht verifiziert werden konnte. Auch die genaue juristische Identität von Enverra Partners und die Art der Beziehung zu Veritas konnten für diese Veröffentlichung nicht geklärt werden. Eine Erwähnung in einer E-Mail bestätigt die behaupteten Beziehungen nicht unabhängig. [1]
Wohin gingen die 820.000 Dollar?
Der erste Artikel hielt fest, dass die Akte keinen Bankbeleg für eine Zahlung enthielt. Auch bei der Vorbereitung dieser Veröffentlichung lagen keine Überweisungsbelege vor. [1]
Die Quelle, die The Ledgers das Dossier übermittelte, erklärt, die 820.000 Dollar seien damals für eine Ausschreibung in Uganda verwendet worden. Belege für Überweisungen nach Uganda würden nachgereicht. Diese Behauptung ist bislang nicht dokumentarisch bestätigt. Der Betrag wird weder als nachgewiesene Zahlung noch als Bestechungssumme dargestellt. [1]
Sollten die Bankunterlagen vorgelegt werden, sind folgende Fragen zu prüfen:
- Zahlte das Unternehmen in Levent oder ein anderes Unternehmen?
- Ging das Geld zunächst auf das Veritas-Konto auf Tortola ein?
- An wen in Uganda wurde es wann und in welchen Teilbeträgen überwiesen?
- Stimmen die Überweisungsdaten mit der Ausschreibung überein, und wer erhielt den Zuschlag?
Eine Strafanzeige wird vorbereitet
Nach Angaben der Quelle werden die Dokumente zusammen mit den erwarteten Bankbelegen für eine Eingabe an die zuständige Staatsanwaltschaft zusammengestellt. Eine eingereichte Anzeige oder ein eröffnetes Ermittlungsverfahren wurden nicht bestätigt. Die Vorbereitung oder Einreichung einer Anzeige beweist keine Straftat; damit wird eine behördliche Prüfung der Vorwürfe beantragt. [1]
Nach der Darstellung im übermittelten Dossier wird SICPA in keinem der geprüften Verträge, Rechnungen oder Unternehmensdokumente genannt. Für wen das Unternehmen in Levent handelte und ob SICPA von der Vereinbarung wusste, bleibt offen. Der Serientitel und das SICPA-Logo auf dem Titelbild kennzeichnen den Kontext der Recherche; sie belegen keine Zahlung, Vertragsbeteiligung oder Schuld.
Für diesen Artikel liegt keine neue Stellungnahme der Beteiligten vor. Die Prüfung der Originaldokumente, der aktuellen Eigentumsverhältnisse und der Zahlungskette dauert an.
Quelldokumente
16- Redaktionsdossier von The Ledgers — vorgelegte Gründungsunterlagen, undatiertes E-Mail-Bildschirmfoto, Passkopie sowie Darstellung des Vertrags und der Rechnungen von 2019; Originale und Zahlungsbelege nicht unabhängig bestätigtKein öffentlicher Link angegeben
- Harneys — Americas Restructuring Review 2022, Britische Jungferninseln; veröffentlichte Geschäftsanschriftharneys.com
- SEC — Ankündigung des Zusammenschlusses von Harris und L3, Oktober 2018sec.gov
- L3Harris — Mitteilung zum Abschluss der Fusion, 1. Juli 2019investors.l3harris.com
- TRACE — Zertifizierungsbroschüre, veröffentlicht bei NorthStandardnepia.com
- Bizcommunity — Partnerschaft Veritas/Hits Telecom in Uganda, 12. April 2007bizcommunity.com
- Amtsblatt von Burundi, Januar 2008, S. 41 — Verordnung vom 7. Januar 2008amategeko.gov.bi
- Amtsblatt von Burundi, Juli 2008, S. 1307–1311 — Gründungsunterlagen von Hits Telecomamategeko.gov.bi
- France Telecom / SEC — Orange tritt in den ugandischen Markt ein, 20. Oktober 2008sec.gov
- PANA / ARIB — Lizenzentzug bei Hits Telecom, 13. September 2012arib.info
- Isanganiro — Entzug von Telekomlizenzen in Burundi, 13. September 2012isanganiro.org
- Techjaja unter Berufung auf The Investigator — Bericht zum Anteilsverkauf bei Orange Uganda, 2013techjaja.com
- Yoweri Museveni / The Independent — Beitrag zu Abu Mukasa, 22. Oktober 2024independent.co.ug
- defenceWeb — Harris-Funkgeräte für sieben afrikanische Länder, 2015defenceweb.co.za
- Ugandisches Landwirtschaftsministerium — Jahresbericht 2014/15, S. 113agriculture.go.ug
- Hochkommission Sierra Leones in Nairobi — Ernennung des Honorarkonsuls, 2. August 2025slhc-kenya.org
Dossier-Aktualisierungen
Bericht veröffentlicht
Redaktioneller Hinweis
Dieser Artikel unterscheidet zwischen Aussagen im übermittelten Redaktionsdossier und öffentlichen Unterlagen. Die Originalkorrespondenz, die aktuellen Eigentumsverhältnisse und die behauptete Zahlungskette wurden nicht unabhängig bestätigt. Die 820.000 Dollar sind ein Rechnungsbetrag, keine nachgewiesene Zahlung oder Bestechungssumme. SICPA wird in den im Dossier beschriebenen Dokumenten nicht genannt. Die Gleichsetzung von Musevenis „Abu Mukasa“ mit Muyunga bleibt unbestätigt. Für diesen Artikel wurde keine neue Stellungnahme der Beteiligten eingeholt.
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